Allerheiligenbergkapelle

Allerheiligenbergkapelle

Dort wo sich die Lahn durch enge Bergketten windet, bevor sie in Lahnstein in den Rhein mündet, erhebt sich auf steilen Felswänden die Allerheiligenbergkapelle. Die 170m hohe Bergkuppe am Ausläufer des Westerwalds war bis zum Mittelalter als „Eulsberg“ bekannt, und wurde wahrscheinlich nach der Errichtung eines Sandsteinkreuzes „Kreuzberg“ genannt.

Auf Initiative des Niederlahnsteiners Frühmessers Johann Philipp Trarbach wurde hier eine Kapelle und Eremitage errichtet. Mit der Einweihung am 16. März 1971 „Zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Muttergottes und aller Heiligen“, erhielt die Anhöhe den Namen Allerheiligenberg.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts nahmen die Wallfahrten zum Allerheiligenberg stetig zu. In den Jahren 1854-86 wurden die neugotischen Rosenkranzkapellchen ausgehend vom alten Friedhof in Niederlahnstein bis zum Allerheiligenberg errichtet.

Nach dem Kriege 1870/71 fasste Pfarrer Wolf mit seinem Kirchenvorstand den Entschluss, eine neue eindrucksvolle Kapelle zu bauen. Nach Überwindung der finanziell aufgetretenen Schwierigkeiten kam es mit Unterstützung Kaiser Wilhelm II. Am 20 Oktober 1901 unter Pfarrer Ludwig zur feierlichen Einweihung der Kapelle.

Die Kapelle wurde erbaut vom Freiburger Architekten Meckel, der u.a. die Bingener Rochuskapelle geschaffen hat. Sie wurde als Gedenkstätte für die Gefallen des deutsch-französischen Krieges (1870/71) errichtet und ist in den Formen der rheinischen Spätgotik gehalten.

Zum Rhein auf der Westseite steht eine Kreuzigungsgruppe von dem Bildhauer Caspar Weiß, der in Lahnstein wohnte.

Schiff und Chor sind mit reichen Netzgewölben überdeckt. Im Chorraum steht der gotische Hauptaltar. Maria, ihr göttliches Kind auf dem Schoße, überreicht dem vor ihr knieenden Hl. Dominikus den Rosenkranz. Neben dem Altarbild rechts die Hl. Klara und links der Hl. Franziskus.

Hoch oben im Chor hängt das noch aus der alten Wallfahrtskapelle stammende barocke Gnadenbild der Madonna im Rosenkranz. Eine Doppelmadonna, auf der Vorderseite die Muttergottes mit Kind, auf der Rückseite die Unbefleckte Empfängnis.

Zu Ehren der Gefallenen reeichtete der Bauherr einen Seitenaltar mit der Pieta. Haupt- und Seitenaltar wurden von Bildhauer Weiß im Jahre 1900 geschaffen. Neben der Peita sind die Namentafeln der Niederlahnsteiner Gefallenen von 1870/71 und 1914 angebracht.

Über diesem Seitenaltar sehen wir das einzig noch erhaltene Fensterbild, welches die Eheleute Douqué stifteten. Auf dem Bild von links: Christus und Maria Magdalena, in der Mitte Christus mit Thomas und Petrus, rechts Christus mit den beiden Emmausjüngern.

Das auf der gegenüberliegenden Seite stehende alte Feldkreuz aus rotem Sandstein ist wahrscheinlich das Gipfelkreuz der ehemals Kreuzberg genannten Anhöhe. Wegen erheblicher Witterungsschäden wurde es 1990 restauriert und zur Erhaltung im Kirchenraum aufgestellt.

Im Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde gab es 1917 erste Überlegungen, die seit langem genutzten Gebäude zum Sitz einer Ordensgemeinschaft zu machen und die Kapelle in deren Obhut zu geben. Die Gesellschaft der Oblaten der makellosen Jungfrau Maria (OMI, Hünfelder Oblaten) erwarben das Anwesen 1919.

Unter Einbeziehung der alten Kapelle wurden für den Aufenthalt von Ordensangehörigen Um- und Neubauten durchgeführt. In der Turbulenz der Nachkriegserscheinungen wurden die Patres zur vorübergehenden Aufgabe des Klosters gezwungen. Während des 2. Weltkrieges wurde die Allerheiligenbergkapelle durch Bomben beschädigt. Fast alle Fenster wurden zerstört. Die Kriegsschäden an der Kapelle wurden zunächst notdürftig behoben.

1963 erfolgt eine Umgestaltung des Inneren. Die Kapelle erhielt eine Heizung. Zur Messfeier wurde gemäß dem Ritus eine schlichte Mensa (Altartisch) aufgestellt. An die Stelle der als zu wuchtig empfundenen Kreuzwegreliefs kamen Bilder im nazarener Stil.

Der Kriegergedächtnisaltar, ein Geschenk der Gemeinde an Pfarrer Ludwig, wurde so verändert, dass nur die Pieta auf dem Altarsockel übrig blieb.

Anfang der 80er Jahre zeigten sich an der Kapelle erhebliche Schäden, die eine Gesamtrenovierung außen und innnen erforderten. Dächer und Außenputz wurden 1984 vollkommen erneuert und umfangreiche Steinmetzarbeiten an der Natursteinverblendung ausgeführt.

1989/91 erfolgte die Innenrenovierung und Restaurierung an Decken und Wänden. Die Fensterverglasung wurde neu in Blei gefasst.

Durch Abwaschung wurden die 1963 überstrichenen Malereien an Decken und Wänden freigelegt und die neugotischen farbigen Malereien nach Originalbefunden restauriert.

Am 20. Oktober 1991, dem 90. Jahrestag der Einweihung der Kapelle, konnte die offizielle Wiederaufnahme des Gottesdienstes mit feierlichen Hochamt begangen werden.

Die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen sind jeweils um 9.30 Uhr.

Kontakt zum Förderverein: Rolf Franzen (Tel. 0261/9215439)

Website der Scholastikat der Oblaten M. I.: www.oblatenstudenten.de

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